MUN in Athen 2010
Athen war schon immer eine Stadt der Politik. Wenn auch Athens Rolle in der Weltpolitik etwas unbedeutender geworden ist, die Akropolis nicht mehr ganz so aussieht wie früher, so hat die Metropole nichts von ihrem Charme verloren. Und statt der Weltpolitik gibt es ja nun die internationale Jugendkonferenz „Model United Nations“ an der Deutschen Schule Athen (DSAMUN). Jetzt regieren in Athen nicht mehr Weltoberhäupter und Könige, die Schülerdelegationen übernehmen die „Macht“ und die „Regierungsgeschäfte“. Allerdings ist die Konferenz nur eine Simulation der Vereinten Nationen (UN) und findet jährlich in vielen verschiedenen Städten weltweit statt.

Jede Schule bekommt ein Land zugewiesen, für das sie dann eine Delegation stellt. Unsere Delegation, bestehend aus 10 Schülern und 2 Lehrern, vertrat dieses Jahr die Ukraine. Bevor wir nach Athen fliegen konnten, mussten wir uns eingehend über die Geschichte, Politik und Kultur der Ukraine informieren, um unser Land bestmöglich vertreten zu können. Jeder von uns wurde einem Komitee zugeteilt, die alle verschiedene politische Bereiche abdeckten. Jeder versuchte, in seinem Komitee die Welt etwas besser zu gestalten, natürlich aus der Sicht der Ukraine. Botschafter Jan diskutierte nach seiner „Opening Speech“ über die Unabhängigkeit des Kosovo, Emily und Lena schrieben ein Aktionspapier gegen Landminen und Kim rettete die Wale. Alle Diskussionen wurden in der Konferenzsprache Englisch gehalten und mussten dem Protokoll entsprechen, das sehr formell ist. Wer sich nicht den Regeln entsprechend verhielt, kam in Diskussionen nicht zu Wort und konnte sogar ganz ausgeschlossen werden. Hatte man es erst einmal verstanden und war mit den Regeln vertraut, machte es richtig Spaß, sich zur Abwechslung mal extrem gut und formell zu benehmen. Passend dazu war auch die Kleidung, so sah es der Dresscode vor: Die Herren in ihren besten Anzügen, die Damen in Bluse und Rock bzw. Hose mit den passenden Pumps. Um die Füße nach drei Tagen nicht amputieren zu müssen, trugen die Ladies auf dem Weg zur Konferenz immer flache Schuhe. Die Blöße, die Schuhe erst in der Schule anzuziehen, wollte sich dann aber keine von uns geben, und so zogen wir sie schon immer an der letzten Ecke auf dem Weg an.

Die drei Tage an der Deutschen Schule vergingen unglaublich schnell. Wir sammelten nicht nur reichlich neue Erfahrungen, sondern auch neue Freunde aus aller Welt. Die anderen Delegationen kamen aus Griechenland, Kairo, Saudi-Arabien, Moskau und Deutschland. Die Pausen konnten für all die Gespräche nicht lang genug sein und nicht selten mussten wir mit den Worten: „Could the house please come to order!“ zur Ruhe gerufen werden.
Abends kamen wir müde und mit schmerzenden Füßen zurück ins Hotel, wir ließen uns es aber trotzdem nicht nehmen später noch Athen zu erkunden. So saßen wir oft in einem kleinen Restaurant, aßen Gyros und gegrillten Feta-Käse und bewunderten die Akropolis bei Nacht. Ein wundervoller Anblick übrigens! An unseren zwei freien Tagen tankten wir Kultur pur. Sowohl die Akropolis als auch das nationale Museum waren beeindruckend (auch wenn alles kaputt war).
In Nafplion kletterten wir Schüler 867 Stufen zu einer Festung einen Berg hinauf; ein mutiges Unterfangen bei strahlendem Sonnenschein und ca. 27°C. Nach 25 Minuten waren alle nach und nach oben eingetrudelt und saßen mit hochroten Köpfen, aber strahlenden Gesichtern auf einer Mauer und genossen die Aussicht. Die Lehrerinnen hingegen genossen ihre „schülerfreie“ Zeit und erkundeten die Stadt alleine. Etwas Freizeit, die sie sich verdient hatten; standen sie uns doch sonst immer mit Rat und Tat zur Seite.
Alles in allem eine wundervolle Woche, an die ich mich immer gerne erinnern werde. Athen war beeindruckend, doch nichts war besser als MUN…; außer vielleicht der gegrillte Feta-Käse.
Kim Scharringhausen
