September 2010: Oper Brundibár


Den richtigen Riecher hatten die Chorleiter Elisabeth und Michael Solinsky, als sie für ihr neues Hansa Vokal-Projekt die beliebte Kinderoper Brundibár auswählten und für die Bühne des Bergedorfer Theaters Haus im Park arrangierten. Denn die 1938 vom tschechischen Komponisten Hans Krása komponierte Oper hat viel, was sie für die Sieben- bis Neuntklässler besonders gut umsetzbar machte. Die Handlung ist kurzweilig genug ist, um die kindgerechte Story knackig zu transportieren – und lang genug, um den musikalisch überaus poetischen, eigenen Stil des Werkes herauszuarbeiten. Der historische Hintergrund verlieh der Wahl zusätzliches Gewicht: Brundibár wurde zum ersten Mal von inhaftierten Kindern in Theresienstadt aufgeführt, viele der jüdischen Darsteller und auch der deportierte Komponist wurden in Auschwitz umgebracht.

„Die Kinder kennen die Geschichte drumherum, spielen sie aber nicht mit – auch wenn unser Projekt in jedem Fall den Charakter des Erinnerns hat“, erklärt Regisseurin Elisabeth Solinsky. So wird eine Inszenierung mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Spielfreude ermöglicht. Eine kurze Einführung bringt den Zuschauern nochmals die geschichtlichen Hintergründe nahe – das setzt unweigerlich die Fantasie in Gang, unter welchen Bedingungen diese Aufführung wohl damals stattgefunden haben mag.

Dann ertönt das Magaal – ein bewegendes, ja berührendes Lied, mit dem die Kinder ihre Gemeinschaft beschwören. Das die Kraft der Geschlossenheit demonstriert und klar signalisiert: Darum geht es hier, heute und überhaupt, um Freundschaft und Zusammenhalt.

So auch die eindringliche Botschaft der nachfolgenden Opernhandlung, die auch sieben Jahrzehnte später wenig an Aktualität verloren hat. Die Geschwister Aninka und Pepicek sorgen sich um ihre kranke Mutter – Heilung verspricht frische Milch, für die sie Geld auf dem Markt sammeln wollen. Dort entdecken sie den Leierkastenmann Brundibár, der mit seiner Musik gutes Geld macht. Die Kinder versuchen, es ihm mit Singen gleichzutun, doch ihre schwachen Stimmen werden nicht erhört.

Erst mit Hilfe von Spatz, Hund und Katze sowie allen Kinder aus der Nachbarschaft übertönen sie den ungeliebten Leierkastenmann. Doch Brundibár, der Bösewicht, stiehlt den Kindern das verdiente Geld – und wird am Ende nach wilder Jagd besiegt und mit vereinten Kräften vertrieben.

„In diesem Projekt ist jeder gleich wichtig, es gibt keine echten Haupt- und Nebenrollen“, betont Michael Solinsky, der Sänger und Orchester musikalisch geleitet hat. Ideale Bedingungen für die 50 hoch motivierten Sängerinnen und Sänger, die unzähligen Helfer sowie das zwölfköpfige Orchester aus älteren Schülern und Profis, die das Projekt in nur wenigen Monaten, neben dem sonstigen Schulalltag, umsetzten – eine nicht selbstverständliche Leistung. Kostüme und Maske wurden von einer Zehntklässlerin und drei Abiturientinnen in enger Zusammenarbeit mit den Leitern entworfen und gestaltet. Die perfekte Kulisse für das lebhafte Treiben bot ein reduziertes Bühnenbild, das zwei Zehntklässler am Computer entworfen und detailliert, ohne viel Tamtam und große Gesten, umgesetzt hatten. Ein rundum gelungener Abend, inhaltlich wie musikalisch stimmig und auf hohem Niveau, von dem man kaum unberührt bleiben konnte. Gemeinsam ist man eben stark!

K. Kubitzki, freie Journalistin