"Arm trotz Arbeit"


Beitrag des Hansa-Gymnasiums zum BPB Schülerwettbewerb "Arm trotz Arbeit"

Auf den nachfolgenden Seiten ist die Dokumentation zu finden, wie sich Schüler der zehnten Klasse des Hansa-Gymnasiums Bergedorf ausgiebig damit beschäftigt haben, was Armut in Deutschland denn wirklich ist, was man in Deutschland eigentlich zum Leben braucht und was ein Finanz-Experte der Hamburger Bürgerschaft dazu meint.

Für uns bedeutet Armut ein Mangel an Ressourcen. Die Armut in Deutschland ist jedoch nicht mit der Armut zum Beispiel in afrikanischen Ländern zu vergleichen. Während es in Deutschland praktisch nur relative Armut gibt, leben viele Menschen in Afrika in absoluter Armut, also kurz vor dem verhungern.

Diese relative Armut in Deutschland resultiert größtenteils aus der hohen Arbeitslosigkeit und den vielen Geringverdienern. Im Gespräch mit unserem Experten Ties Rabe (SPD) sind ähnliche Werte herausgekommen. Die Spanne zwischen den Viel- und Geringverdienern wird immer größer, sodass ein Arbeitsloser fast genauso viel an Arbeitslosengeld bekommt, wie ein Geringverdiener an Lohn.

1. Was ist Armut?

Armut kann auch als Zukunft Stopper bezeichnet werden. Für viele Menschen, die in Armut leben, ist die Armut gleichbedeutend mit einem Mangel an Chancen, Lebensvorstellungen, sowie die eigenen Pläne verwirklichen zu können. Sozusagen ein aufgezwungener Verzicht an Selbstbestimmung. Das könnte jedoch durch eine bessere Ausbildung und mehr Gesundheitsfürsorge, um die Lebensqualität zu heben und somit die Menschen in besserer Lage ihren Lebensunterhalt zu verdienen und somit auch ihr Pläne verwirklichen können und somit auch ihre Selbstbestimmung wiedererlangen.

Ein unfreiwilliger Mangel an Dingen wie, warmes Essen, Telefon, Auto, Fernseher, Möbel, usw. bedeutet meist auch ein Ausschluss aus der üblichen Lebensweise und gesellschaftlicher Teilhabung. Als arm gilt oft auch ein Mensch, der einen niedrigen Lebensstandard hat, grade weil ihm die Ressourcen, wie ein Einkommen fehlen.

Unter relativer Armut versteht man, wenn eine Person weniger als 50% des mittleren Einkommens verdienen. Dabei werden aber die Ersparnisse berücksichtigt. Der Median beschreibt das mittlere Einkommen, das nicht mit dem durchschnittlichen Einkommen verwechselt werden darf. Ein unterschied wäre zum Beispiel, wenn man von zehn Personen das durchschnittliche Einkommen berechnet, heißt das nicht gleich, dass alle dieses Einkommen haben. Wenn man aber den Median haben möchte haben möchte, stellt man die zehn Personen in eine Reihe und nimmt die mittlere Person und guckt sich das Einkommen an. Der Median, auch Zentralwert genannt, teilt die deutsche Bevölkerung in zwei genau gleich große Teile. 1993 war das Einkommen pro Kopf in Deutschland 2.184 DM. Das heißt das eine Hälfte der deutschen Bevölkerung hatte ein Einkommen von über 2.184 DM und die andere Hälfte hatte ein Einkommen von unter 2.184 DM.

Alleinerziehende Personen sind eher von der relativen Armut betroffen als Rentner. Weltweit ist es so, dass wenn es in einem Haushalt kein Einkommen gibt, dann ist das Armutsrisiko etwa 30%. Gibt es in einem Haushalt ein Einkommen, dann ist das Risiko nur noch etwa 12%-13%. In Deutschland ist das so, dass wenn es in einem Haushalt kein Einkommen gibt, dass das Armutsrisiko bei etwa 40%, also 10% als weltweit. Gibt es in dem Haushalt ein Einkommen, dann sinkt das Risiko auf etwa 7%-8%.

Man lebt in absoluter Armut wenn man in einem Haushalt, pro Kopf nur oder weniger 1-2 $ verdient. (Umrechnungswert). Im Moment leben etwa 1,6 Milliarden Menschen in absoluter Armut. Das entspricht ein Drittel der Erdbevölkerung. Wenn man sagt, dass man 2$ pro Kopf verdient, sind es schon 2.8 Milliarden. (Stand: 2009). Die internationale Gemeinschaft kümmert sich um diese Zahl und versucht bis 2015 die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, zu halbieren.
Als absolute Armut versteht man aber auch einen Mangel Grundausstattungen. Zum Beispiel Nahrung, ärztliche Versorgung. Außerdem bezeichnet man absolute Armut auch als Mangel an Ausbildung.

  • Allgemein
  • Relative Armut
  • Absolute Armut

    Diese Tabelle zeigt die Entwicklung der Absoluten Armut in den Entwicklungsländern.
    Mit Absoluter Armut ist gemeint, dass die Leute weniger als 1,25 PPP-$ Kaufkraft pro Tag haben.

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    Diese Tabelle zeigt die relative Armut innerhalb Deutschlands im Jahr 2007. Armut ist hier mit einem Einkommen unter 60% des Medians definiert, also Leute, die unter 764 Euro (im Jahr 2007) im Monat zur Verfügung haben.

    2. Was verdient man, was braucht man?

    Löhne und Ausgaben der Deutschen

    Lohnt es sich überhaupt noch zu arbeiten? Verdient jeder so viel wie er auch zum Leben braucht? Gibt es einen Mindestlohn? Wenn ja, wie hoch oder niedrig ist er? Was ist das Existenzminimum?

    Mit diesen Fragen haben wir, Schüler der zehnten Klasse des Hansa-Gymnasiums, uns beschäftigt.

    Immer wieder hört man, dass die Löhne in Deutschland ungerecht verteilt sind und viele mehrere Jobs annehmen müssen, um deren Lebensstandards zu erfüllen. Für Sozialschwache wird vom Staat ein Existenzminimum und Wohngeld bereitgestellt. Dieses beträgt seit Juli 2009 359 Euro plus Wohngeld. Doch reicht das überhaupt aus, um ein angemessenes Leben zu führen? 

    Zum Vergleich haben wir unsere Eltern befragt, wie viel sie im Monat ausgeben. Hierzu haben wir eine Tabelle erstellt:

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    Wenn man sich die Tabelle genau anschaut, stellt man große Unterschiede fest. Es ist kaum vorstellbar, dass wir fast neun Mal so viel ausgeben können, wie das Existenzminimum beträgt. Wir können uns nicht vorstellen mit dem Existenzminimum auskommen zu müssen. In der Politik wird aktiv über den Mindestlohn debattiert. Dieser setzt fest, wie viel ein Arbeiter in verschiedenen Branchen pro Stunde verdienen sollte. Der Mindestlohn besteht aus dem Existenzminimum, welches wir am Anfang schon angesprochen haben, und aus dem Betrag, den sich derjenige erarbeitet hat. Hierzu haben wir ebenfalls eine Tabelle erstellt.

    Im Internet haben wir eine andere Tabelle betrachtet und folgendes festgestellt: Wir denken, dass die Mindestlöhne relativ gerecht verteilt sind und auch zum faireren Arbeiten und Entlohnung beitragen. Hier kann man deutlich die Unterschiede zwischen West und Ost Einkommen sehen.

    Um uns einen Überblick zu verschaffen, haben wir verschiedene Berufe und deren Einkommen miteinander verglichen. Wir haben festgestellt, dass Unterschiede zwischen Ost und West und Mann und Frau liegen. Außerdem, dass Azubis und Arbeitnehmer häufig zu wenig verdienen und Nebenjobs annehmen müssen. Zu folgendem Thema haben wir noch eine Tabelle zusammengestellt, die verschiedene Berufe und deren Einkommen darstellt:

    In der Tabelle kann man erkennen, dass die Einkommen eines Kellners und  eines Berufssoldaten ungefähr 1144 € im Monat betragen. Dies ist die Gruppe mit dem niedrigsten Einkommen. Dagegen verdient ein Unternehmensberater fast dreimal so viel, wie ein Kellner oder ein Berufssoldat. Man muss allerdings beachten, dass die Ausbildungsanforderungen variieren und die Risiken der jeweiligen Berufe sich unterscheiden.

    In dem Spiegelartikel „Das echte Geld“, erschienen in der 13. Ausgabe im Jahre 2010, wird folgende Situation geschildert: zwei allein erziehende Mütter, eine davon arbeitslos und eine Altenpflegerin. Die Altenpflegerin verdient 750,10 Euro netto plus das beantragte Kindergeld. Die Arbeitslose wiederum erhält vom Staat Arbeitslosengeld und Kindergeld und hat somit fast genauso viel, wie die Altenpflegerin. Hier wirft sich die Frage auf, warum ein Arbeitsloser fast genauso viel Geld erhält, wie jemand, der arbeitet. Ist dieses nicht ungerecht?

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    3. Was sagt der Experte?

    Bericht zum Expertengespräch mit Ties Rabe (SPD, MdHB)

    Im Rahmen des Wettbewerbs haben wir einen Experten befragt. Wir baten beim Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft Ties Rabe (SPD) um ein Gespräch, er nahm sich dankenswerterweise für uns Zeit und stellte sich unseren im Unterricht erarbeiteten Fragen zu den Themen Armut, Mindestlöhnen, die Finanzkrise und die Finanzpolitik.

    Am Montag, den 29.11.2010, im Abgeordneten Büro der SPD in Bergedorf fand die Begegnung statt. Nachfolgend aufgeführt sind die zusammengefassten Ergebnisse des Gesprächs:

    Frage 1: Wie definieren Sie Armut?

    Armut darf man nicht selber definieren. Es gibt dort Vorschriften nach denen man sich richten muss, denn in Deutschland spricht man nicht von absoluter Armut, denn dann würde es in Deutschland gar keine Armut geben. Absolut arm sind Menschen, wenn sie kurz vor dem Verhungern sind. In Deutschland hat jeder eigentlich etwas zu essen, nicht so wie zum Teil in Afrika. Hier in Deutschland spricht man von relativer Armut. Diese Art von Armut definiert man an dem Rest der Bevölkerung. Wer nur 60% des Durchschnittseinkommen hat gilt als armutsgefährdet und wer nur weniger als 50% des Durchschnitts hat, gilt per Definition als arm! Das heißt, dass eine vierköpfige Familie, die weniger als 1.900 € im Monat zur Verfügung hat, als arm gilt.

    Frage 2: Ist Armut Geldmangel bzw. ist Geldmangel Armut?

    Armut ist nicht ausschließlich Geldmangel, z.B. wenn Sie mal studieren werden, werden Sie von Ihren Eltern mit 700 € ausgestattet und müssen dann von diesem Geld im Studentenwohnheim leben und  können vor sich hinstudieren. Nach der Definition wären Sie dann bettelarm, denn Sie hätten weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommen. Aber in Wahrheit sind Sie nicht arm, da Sie ja nach dem Studium arbeiten können und die ganzen Möglichkeiten im Leben noch offen haben. Es ist also eine vorübergehende Phase. Das heißt, dass die Definition Geldmangel = Armut falsch ist, da dann die Armut viel höher wäre. Dennoch geht man in der Politik davon aus, dass man arm ist, wenn man nur wenig Geld hat und keine Lebenschancen besitzt.

    Frage 3: Nach der Weltbank gilt man als arm, wenn man eine tägliche Kaufkraft von weniger als 1,25 PPP-$ pro Kopf hat.In Deutschland verdient jeder Bürger mehr als 75ct am Tag, egal ob mit Hartz IV oder mit Sozialhilfe. Warum gilt man in Deutschland dennoch als arm?

    Man unterscheidet zwischen der absoluten Armut, absolut heißt über die ganze Welt gerechnet und wenn du richtig kurz vor dem Verhungern bist, bist du absolut arm und das andere ist die relative Armut . Relativ misst sich an der Umgebung in der man lebt. Und wenn man sagt, in Deutschland haben alle eine bestimmte Menge Geld, dann ist der, der nur die Hälfte hat, in Deutschland arm, aber woanders haben die Menschen noch weniger Geld, da wäre der, der in Deutschland arm ist, dort reich. Und daher wird in Deutschland die Armut an den anderen Menschen in Deutschland gemessen und nicht weltweit, da es für die Menschen hier nicht entscheidend ist, ob sie in Afrika Wohlstand haben oder hier.

    Frage 4: Warum ist das Risiko der relativen Armut in Deutschland um 10% höher als weltweit?

    Dies ist eine schwierige Frage, auf die die Politik keine richtige Antwort findet. Es ist tatsächlich so: die Armut in Deutschland hat zugenommen. Jetzt sagen einige, dass gemessen an den 60-igern die damals Armen heute eigentlich reich sind, denn damals hatten selbst gut verdienende Mittelklassefamilien keinen Fernseher im Haus und heute hat sogar jeder Hartz IV Empfänger das Recht auf einen Fernseher und kann ihn sich theoretisch auch leisten. Also geht es denen ja gut im Vergleich zu früher. Doch damals waren nach heutiger Definition nur ca. 5% arm und heute sind wir bei 10-13% der Bevölkerung angekommen. Es gab viele Studien, die gefragt haben,  was Arme auszeichnet, was sie anders machen und was mit denen passiert. Die größten Risiken für das Entstehen von Armut sind Scheidung und Alleinerziehung. Die meisten Armen sind alleinerziehende Mütter und das aus zwei Gründen: 1. weil sie ein Kind haben und alles teilen müssen und 2. weil sie aufgrund des Kindes nur eingeschränkt bis gar nicht arbeiten können. Vielleicht liegt es daran, dass es mit der Kinderbetreuung nicht richtig klappt, weshalb so viele alleinerziehende Eltern arm sind. Auch kann es daran liegen, dass Alleinerziehende schlechtere Chancen auf dem Berufsmarkt haben, weil das Krankheitsrisiko verdoppelt wird, da wenn das Kind krank ist, die Mutter sich um dieses kümmern muss. Ein anderes großes Risiko ist die bisher kontinuierlich zunehmende Arbeitslosigkeit in Deutschland, denn wer arbeitslos ist, ist schnell arm. Zum einen fehlen Arbeitsplätze und zum anderen gibt es zu viele Schulversager. Diese Schulversager haben dann einen so schlechten Hauptschulabschluss, wenn überhaupt, dass sie nichts lernen können oder Arbeit finden. Daher wird das Schulsystem gerade genervt mit Reformen ohne Ende. Wenn man diese 25% Schulversager bilden würde, würde die Arbeitslosenzahl stark sinken. Also kann man Bildung als Voraussetzung für ein normales Leben bezeichnen.

    Frage 5: Es gab einen Spiegelartikel. In diesem wurden zwei alleinerziehende Mütter beschrieben. Die eine arbeitet und die andere ist Hartz IV-Empfängerin. Doch beide verdienen jedoch fast gleich viel. Wie kann das sein?

    Es gibt zu viele Gewerbe, in denen die Löhne so niedrig sind, sodass sie nicht zum Leben reichen. Beispiele sind die Gastronomie - solange man das Gewerbe nicht selbst besitzt - das Friseurgewerbe, Wachdienste, Gartenbau, wie Parkpflege und Forstverwaltung und Postzustellung privater Zustellungsunternehmen. Früher ließ sich das nicht durchsetzen, doch heute gibt es zu viele Arbeitslose, die sich für einen geringen Lohn betätigen wollen und nicht den Tag auf dem Sofa verbringen möchten. Daher können diese Minilöhne noch von einigen Unternehmen durchgesetzt werden. In manchen Bundesländern gibt es sogar noch Mindestlöhne unter 5 € die Stunde, was inzwischen schon ein Schüler locker verdient, wobei die Erwachsenen davon leben müssen. Diese Personen verdienen oft weniger als Hartz IV, weshalb sie aufstocken müssen. Dann bekommen auch die Geld wie ein Hartz IV Empfänger in Deutschland. Hierdurch werden die Personen indirekt von der Allgemeinheit der Steuerzahler bezahlt, weil der Arbeitgeber nur einen kleinen Teil des Benötigten zahlt und das Aufstockgeld vom Staat kommt.

    Frage 6: Wieso werden die Hartz IV-Sätze immer wieder verändert?

    Die Hartzsätze wurden früher nach dem sogenannten Warenkorb festgesetzt, einer Liste von Waren und Gütern, die ein Mensch fiktiv in einem Monat benötigt. Deren Kosten bildeten dann den Hartzsatz. Die neue Berechnungsmethode, die infolge einer Reform der Hartzsätze mit der vorletzten Legislaturperiode kam, geht nun von einer Teilung der Bevölkerung in fünf Teile aus. Der unterste Teil ist der ärmste Teil, in dem das Durchschnittseinkommen genommen wird, was als das Minimum bezeichnet wird, was ein Mensch zum Leben in der Bundesrepublik braucht. Wenn dieser Satz unterschritten wird, wird die Differenz vom Staat ausgeglichen, um so wieder auf dem Mindestsatz zu gelangen. Allerdings wurde für die Kinder festgesetzt, dass,diese bis zum Alter von 14 Jahren nur 60 % und die älteren 80 % des Hartzsatzes bekommen. Diese Festsetzung der Prozentsätze wurde vor dem Bundesverfassungsgericht diskutiert, wobei herauskam, dass diese Prozentsätze nicht logisch nachvollziehbar seien und begründet werden müssten. Das führte dazu, dass die Regierung die Hartzsätze noch einmal überprüfte und zu fast den alten Berechnungsgrundlagen kam. So legen sozusagen indirekt die Politiker fest, was als arm einzustufen ist. Vom Bundesverfassungsgericht wurde nicht die absolute Höhe der Sätze in Frage gestellt, sondern nur die Frage der Prozentsätze. Diese Berechnungsgrundlage der fünf Teile führt zu der Schwierigkeit, dass je nach der allgemeinen Entwicklung der Armut bzw. des Reichtums der Bevölkerung die Hartzsätze fallen oder steigen.

    Frage 7: Wie hoch würden Sie den Mindestlohn festsetzen?

    Vor sechs Jahren gab es in der SPD einen Streit darüber, ob man einen Mindestlohn einführen soll oder nicht. Ein einzelnes SPD Mitglied hatte damals immer wieder gesagt, dass wir einen Mindestlohn benötigen und daher wurde ein Antrag in Bergedorf-West gestellt. Dann ging der Antrag in den Kreis Bergedorf und der Mindestlohn wurde auf die Höhe 7,50 € festgesetzt. Dieser Antrag wurde dann von so vielen kleinen Gruppen und Initiativen aufgegriffen, sodass daraufhin bundesweit beschlossen wurde, den Mindestlohn auf  7,50 € festzusetzen. Aktuell müsste der Mindestlohn höher liegen, da man ja auch Gehaltserhöhungen bekommt. Wenn die SPD an der Regierung wäre,  würde man über den Mindestlohn diskutieren und versuche, ihn anzuheben.

    Frage 8: In welchen Gewerben wurde ein Mindestlohn gezielt verhindert und warum?

    Unter Angela Merkel als Bundeskanzlerin in der letzten Legislaturperiode hat Olaf Scholz als Arbeitsminister versucht den Mindestlohn für alle Gewerbe durchzusetzen. Jedoch sagte die CDU, dass sie nicht mitspiele. So hat man den Mindestlohn von 7,50 € nur in vier Gewerbebereichen, wie Reinigung und Briefzustellung, eingeführt. Dies war allerdings nur möglich, weil Gewerkschaften und Arbeitgeber und -nehmer einverstanden waren.

    Frage 9: Würden Sie unser Lohnsystem als fair bezeichnen und wenn nein, wie müsste ein faires Lohnsystem aussehen?

    Nein! Das ist es nicht. Wenn ein Wachmann 40 Stunden die Woche arbeitet, hat er das Berufsrisiko, vielleicht mal jemandem hinterher rennen  zu müssen und etwas "auf die Nuss" zu kriegen. Andere verdienen die 1.100 € des Wachmanns in Monat schon am Vormittag für fast gar keinen Aufwand. Das kann also nicht gerecht sein. Daher sollte man nur dann sein Gehalt so hoch bekommen, wenn man auch was dafür tut. Der Chef sollte ca. da dreißig- bis fünfzigfache des kleinsten Mitarbeiters an Gehalt im Monat bekommen. Alles was darüber ist, ist unfair. Heutzutage kann es passieren, dass der Chef bis zu dem Tausendfachen des Mitarbeiters kommt.

    Frage 10: Was denken Sie zu dem Sparpaket des Hamburger Senats?

    Dieses Sparpaket wird ja gerade von der Opposition und den Grünen zu Fall gebracht. Es wird daher nicht kommen, denn das Parlament wird nicht zustimmen. Doch es bestand aus einem 800 Seiten langen Buch, wo seitenlang aufgelistet war, wofür Hamburg sein Geld ausgibt. Doch erst darunter steht kurz, dass gespart werden muss, aber nicht einmal eindeutig, wo dieses sinnvoll sei. Im Bildungsausschuss zum Beispiel steht fest, dass Gymnasiallehrer kein Weihnachtsgeld mehr bekommen. Aktuell wird versucht die Schließung des Bergedorfer Schlosses zu verhindern. Auch in den Vierlanden wird gespart, in dem man von sieben Polizeiwachen zwei schließt. Alles das wäre allerdings nicht nötig gewesen, wenn die Regierung ihr Geld nicht in nicht so wichtige Sachen, wie die Elbphilharmonie geschoben hätte.

    Frage 11: Wofür gibt Hamburg sein Geld aus und weshalb?

    Hamburg gibt zehn Milliarden Euro im Jahr insgesamt aus. Davon gehen zwei Milliarden in den Bereich Schule. Das sind Sachen wie Lehrer, Anschaffungen und anderes. Danach kommt der Bereich Soziales. Hier fließen 2,5 Milliarden rein. Dieser Bereich beinhaltet die Alten- und Pflegedienstleistungen, sowie die Gesundheitsleistungen, Kindergärten, Jugendzentren und Jugendarbeit. Der letzte große Bereich ist die Stadtplanung. Dazu gehören Straßenbau, Parks, Wege, Sozialer Wohnungsbau und die Förderung von Sozialwohnungen, sowie zum Beispiel der neue Busbahnhof in Bergedorf. Das sind die entscheidenden Bereiche.

    Frage 12: Sind Sie mit der deutschen Finanzpolitik zufrieden?

    Nein! Die deutsche Finanzpolitik hat zu ungerechte Steuern. Man müsste die, die weniger haben, entlasten und die, die mehr haben, belasten. Jedoch traut sich niemand die Steuern zu erhöhen, sondern die Steuern sind eher rückläufig. Daraus folgern steigende Schulden, die irgendwann getilgt werden müssen. Also muss man sparen. Nur wie? Entweder nimmt man Leistungen weg und macht damit die Leute unzufrieden oder man erhöht die Steuern und macht sich damit auch unbeliebt. Also wenn man spart, sagen die Menschen, dass das nicht ginge und daher kann man nicht sparen.

    Frage 13: Was interessiert uns die Armut der anderen? Deutschland ist pleite nur wieso pumpen wir dann noch Milliarden ins Ausland?

    Ganz einfach: die betroffenen Länder geben Geld aus. Nur woher kommt das Geld? Von deutschen Banken, die diesen Ländern Kredit gewährt haben. Der normale Sparer legt sein Geld auf das Konto und bekommt darauf Zinsen. Die Bank wirtschaftet mit diesem Geld, um diese Prozente zu erzielen, auch in dem sie Kredite ins Ausland vergibt. Nur wenn dann die Antwort aus dem Ausland kommt, dass man kein Geld mehr hat und es nicht zurückzahlen kann, haben die Banken ein Problem. Daher müssen wir das Geld zahlen. Und im Endeffekt retten wir damit die Menschen in Deutschland. Euch und eure Eltern, die das Geld benötigen.

    Frage 14: Wieso müssen wir die Schuld(en) der Banken bezahlen?

    Die Banken haben ja das Geld der Menschen und wenn die Bank Briefe schreiben müsste, dass das ganze Geld weg sei, gäbe es noch stärkere Armut. Also gibt der Staat jede Menge Geld, damit die Bank die Krise übersteht. Allerdings will der Staat das Geld wieder haben, wenn sich die Bank wieder aufgerappelt hat. Doch die Vorstände dürfen dann nur noch 500.000 € im Jahr verdienen und nicht mehr, was sogar gesetzlich beschlossen wurde.
    Das ging eine Zeit gut, bis dann Herr Nonnenmacher von HSH Nordbank sagte, dass für den Vorstand quasi "unterm Tisch" ein Extravertrag abzuschließen sei, da er sonst "den Laden in die Grütze fahren und abhauen würde". Die CDU hat damals nachgegeben, die SPD hätte ihn schon damals gerne "zum Teufel gejagt".

    Frage 15: Wer profitiert aus der Finanzkrise?

    Es profitiert niemand aus der Finanzkrise, da selbst Superreiche wie Bill Gates ärmer geworden sind, also hat er zum Beispiel nicht mehr 40 Milliarden, sondern nur noch 35 Milliarden Euro. Außerdem wurde das Geld nicht verschoben, sondern vernichtet, als ob man das Geld verbrannt hätte.

    Frage 16: Was müssen wir aus der Finanzkrise lernen?

    Wir müssen aus der Finanzkrise lernen, den Banken auf die Finger zu schauen. Denn die Banken sind es, die das Geld anlegen, z.B. in Immobilien, und werden dann diese Immobilien nicht los. Dabei gehört der Bank noch nicht mal das Geld. Es gehört den Besitzern der Konten. Doch mit mehr Kontrolle kann man verhindern, dass Banken eben solche sinnlosen Anlagen machen und dabei Geld verlieren. Doch es ist für einen normalen Bürger nur schwer verständlich, warum man denn Geld nur für drei Prozent anlegen soll, wenn einem auch  zehn Prozent versprochen werden. Intuitiv sagt man zehn Prozent, weil es mehr ist. Doch dahinter verbergen sich ja eben diese wertlosen Anlagen. Leider wollen Großbritannien und die USA die Banken nicht kontrollieren, was sonst für die Zukunft die Gefahr von Finanzkrisen verringert hätte.

    Das Gespräch war insgesamt sehr informativ und erfolgreich. Wir haben vieles erfahren, was man nur erfährt, wenn man sich mit einem aktiven Politiker austauschen kann. Daher hier nochmals ein ganz großes Danke an Ties Rabe (MdHB).

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