Theaterunterricht


Persönlichkeitsförderung im Spannungsfeld der unterrichtlichen Erprobung eigener Möglichkeiten - sowohl in der konstruktiven Zusammenarbeit mit anderen als auch im bewussten Umgang mit der Sprache des Theaters:

  • Wir wollen durch die Kursarbeit an unserer Schule eine künstlerische Auseinandersetzung mit Themen und mit Texten in theatereigener Art ermöglichen und einfordern.
  • Wir wollen dadurch Kenntnisse, Fähigkeiten und das Verständnis für das Theater und für das eigene Spielen erweitern.
  • Wir wollen unsere Schüler für das Theater jenseits der gängigen Klischees sensibilisieren – und sie damit in ihrer eigenständigen Persönlichkeit stärken.

Soweit unsere schulinterne Standortbestimmung, die wir im Einklang mit den anderen künstlerisch-ästhetischen Fächern formuliert haben.

Im Fach Theater hat die Arbeit Projektcharakter. Anhand verschiedener Spielformen wie Sprechtheater, Musiktheater, Bewegungstheater etc. werden in unterschiedlichen Projektverfahren (z.B. in der Umsetzung einer Textvorlage, in ihrer Bearbeitung oder in einer Eigenproduktion) bestimmte Handlungsfelder wie Körper, Raum und Zeit zu bestimmten Themen bearbeitet. Diese Themen haben oft unmittelbar mit den Lebensfragen zu tun – etwa mit Glück, Identität, Macht und Ohnmacht. Da ergibt sich oft eine Nähe zu den klassischen Stücken, deren Autoren sich auch schon mit diesen "großen Fragen" beschäftigt haben, aber es ergeben sich in der Arbeit auch oft ganz andere Blickwinkel. Und je mehr unsere Schüler über Theatergeschehen und Theatergeschichte erfahren, desto vielfältiger und "verständiger" gehen sie mit "Theatralität" im Theater – und im Leben um. Es geht im Fach Theater um Theater als Kunst- und Denkform: Theater ist mehr als ein Auswendiglernen von Dialogen. Schultheater lebt von Phantasie, Kreativität und Improvisation. Schultheater trägt aber auch zur Persönlichkeitsentwicklung bei und fördert die soziale Kompetenz und das konzentrierte Lernen. Wenn Kinder und Jugendliche in gemeinsamer Arbeit ein Stück auf die Bühne stellen, lassen sie sich aufeinander ein, überschreiten Grenzen und entdecken neue Welten. Das erscheint jemandem, der nicht im Theater-Kurs arbeitet, vielleicht etwas fremd. Allen sei aber versichert: Im Fach Theater gibt es ebenso "normale" Unterrichtselemente. Klausuren und Hausaufgaben (und die je nach Engagement nicht zu knapp) stehen auch bei uns auf der Tagesordnung, nur verarbeiten wir sie zu etwas anderem, das sich dann "sehen lassen" muss.

Das Theaterkaleidoskop und der Veranstaltungskalender auf unserer Homepage geben anschaulich wieder, was da in den Theaterkursen gespielt wird. Das Geschehen ist vielfältig und bunt, viele erfolgreiche Theateraufführungen prägten unser schulisches Leben in der Hansa-Theater-Tradition – hier nun ein Beispiel, das verdeutlicht, wie sich Schüler im Theater mit der Frage nach der "Identität" auseinandergesetzt haben:

Die Darsteller der Kurse S2 und S4 wollten in ihrer Eigenproduktion "i?Theaterkonzept" ihren Zuhörern nicht erklären, was ihrer Meinung nach Identität ist, sie wollten eher zeigen, inwiefern Identität eine der komplexesten Ideen ist. Es wurde die Frage gestellt, was Identität ist und was von ihr übrig bleibt, wenn man äußere Faktoren von ihr abzieht. Dazu entwickelten sie Szenen, in denen diese Fragen aufgeworfen wurden.

Die Schüler spielten sich gegenseitig ihre Szenen vor und  beobachteten, verbesserten, verwarfen, stellten neue Fragen. Eine erste ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema.  Allerdings bot sich dann der Blick über den Tellerrand der eigenen Überlegungen an. Ein Textraeder mit Textauszügen klassischer Theaterautoren diente als Spiegel der eigenen Ansätze – eine Art Reibungsfläche: Die eigenen Texte und Entwürfe nahmen Spuren von der Reibung an dieser Fläche mit, Versatzstücke wurden in die eigenen Dialoge übernommen, Szenen wurden umgearbeitet, umgedeutet, in Gegenüberstellung zu eigenen Texten gebracht, bis schließlich ein umfassender Bogen von Gesichtspunkten vorlag, der bewusst immer noch als Fragen-Katalog wirkte, aber sehr viel mehr unterschiedliche Fragen enthielt. So stellten sich die Schüler ihrem Publikum und forderten es auf, sich an der Suche nach der Identität zu beteiligen. Damit war eine Art "never ending story" auf die Bühne gesetzt, bei der die Schüler mit dem Publikum auf offener Bühne kommunizierten. Ein Vorgang, der die eigene Persönlichkeit gleichermaßen forderte und förderte. Hier ein paar Bilder aus dieser Aufführung zur Veranschaulichung.

Mehr Bilder dazu auf der Homepage unter Veranstaltungsrückblick und Theaterkaleidoskop.

Elisabeth Solinsky, Fachleiterin Theater/DSp