
Profilfahrt nach Norwegen
Jotunheimen bedeutet „Reich der Riesen” und beschreibt sowohl eine gewaltige Berglandschaft in Norwegen als auch einen sagenhaften Ort aus der nordischen Mythologie. Diese Region des Nationalparks weist hochalpinen Charakter auf und ist ein echtes Highlight für eine Kursfahrt der HANSA-Oberstufe. Auf den ersten Blick wirkt diese Landschaft schroff, karg, verlassen, monoton und öde. Sie ist also wie geschaffen für eine gemeinsame Fahrt des Sportprofils und des System-Erde-Mensch-Profils. Schon beim Einkaufen, Vorbereiten und Packen beschäftigen uns folgende Gedanken und Fragen:
• Kann man 28 Schüler:innen fürs Wandern in dieser Einöde motivieren?
• Haben Einöde, Kargheit und Einsamkeit eine Chance gegen pulsierende europäische Metropolen wie Amsterdam, Kopenhagen und Prag?
• Verstehen sich die Schüler:innen in ihren Hütten, wenn sie nach langen, anstrengenden Wanderungen auch noch gemeinsam einkaufen, kochen und spülen sollen?
• Schaffen wir (Blatt, Eltrop und Fröhlich) es, die Bergedorfer Schüler:innen für die norwegische Stille und das Friluftsliv zu begeistern?
Bei durchwachsener, nass-kühler Wettervorhersage starteten wir an einem milden Spätsommertag am Bergedorfer Bahnhof. Nach einer 18-stündigen Busfahrt, die durch zwei Fährfahrten und viele Pausen mehrfach unterbrochen wurde, fuhren wir morgens um 8 Uhr erstmals an unseren urigen Hütten im Wintersport- und Tourismusort Beistostølen vorbei. In dieser unruhigen Nacht im Bus hatten wir zudem den Sommer hinter uns gelassen. Die Sonne hatte jedoch Erbarmen mit uns und schien wider Erwarten, sodass die Woche noch vor dem Einchecken in die Hütten mit der Gipfelbesteigung der 1 607 m hohen Bitihødn-Bergspitze begann. Es ging also direkt aus der Schlaf-Jogginghose in die Wanderschuhe. Wir starteten auf einer Höhe von 1.000 m bei angenehmen 5 °C. Doch schon nach wenigen Metern hatten wir uns an die Kälte gewöhnt und unsere Herzen pumpten warmes Blut durch unsere müden Körper. Unsere Lungen nahmen dankend den frisch-kalten Sauerstoff auf, und unsere Seele und unser Geist machten sich mit der neuen Umgebung vertraut. Glückseligkeit und Gleichmut stellten sich ein, und wir erreichten vor dem Frühstück glücklich und zufrieden den Gipfel. Am nächsten Tag ging es vormittags ins neblige Fjell zu einer lockeren 10-km-Wanderung. Nachmittags harrten wir dann eine Schlechtwetterfront in unseren gemütlichen Hütten aus. Bei proteinreicher Nahrung und knisternden Kaminen regenerierten wir uns und genossen das gesellige und gemütliche norwegische Hüttenleben. Gemeinschaft, Vertrauen und naturnahe Einfachheit entspannten unsere müden Waden. Für den nächsten Tag stand eine Wanderung entlang des smaragdgrünen Gjende-Sees auf dem Programm. Diese Wanderung hatte zwar nicht viele Höhenmeter, führte aber durch unwegsames Gelände. Sie erforderte erhöhte Aufmerksamkeit bei jedem Schritt. Wir reihten uns also wie an einer Perlenkette auf, setzten Schritt vor Schritt und ließen unseren Gedanken freien Lauf. Mit jedem Schritt sank der Stresspegel, Endorphine und Serotonin durchströmten unsere Körper. Das gleichmäßige Gehen brachte unsere Gedanken zum Fließen. Die Konfrontation mit der rauen, mächtigen Natur zeigte uns jedoch auch unsere eigenen Grenzen auf. So wurde Herr Blatt nach und nach immer mehr bedrängt, die Wanderung abzukürzen und Nachsicht mit uns zu haben. Unser Anführer lief jedoch in tiefer innerer Ruhe und Zufriedenheit und war daher beinahe taub für die erschöpften Seelen, die sich nichts sehnlicher wünschten, als vor dem Kamin der Hütte zu sitzen.
Am Abfahrtstag stand die Innenstadt von Oslo auf dem Programm: Großstadt, Zivilisation, moderne Infrastruktur. Bei einigen Teilnehmenden löste dies wahre Glücksgefühle aus. Die Holmenkollen-Schanze ist das unumstrittene Herzstück des norwegischen Wintersports und ein modernes architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Das Opernhaus gleicht einem schwimmenden Eisberg, der sich in den Oslofjord ergießt. Diese beiden Wahrzeichen, weiß, modern und weltberühmt, stehen für zwei Seiten desselben Landes. Wir danken dir, dass wir dieses einzigartige Land kennenlernen durften, das seine tiefen Wurzeln in der rauen Natur und dem Winter- und Sommersport ehrt, sich aber gleichzeitig weltoffen zeigt. Es war eine schöne Reise!
Hannes Fröhlich